Ein langer Weg zum Aquarellmalen…

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Detroit, MI., Brush Park – Eine Zeichnung von 2014

Ich bin jetzt 50 Jahre alt. Nach über 20 Jahren habe ich vor etwa zwei Jahren zum ersten Mal wieder zu Stift, Pinsel und Farbe gegriffen… und seit dem lässt es mich nicht mehr los. Dabei habe ich die längste Zeit meines Lebens selbstständig kreativ gearbeitet. In den letzten Jahren meiner Schulzeit habe ich zum ersten Mal eine Leidenschaft für das Zeichnen entdeckt. Es waren vor allem die sehr anspruchsvollen franko-belgischen Comicalben, die es mir angetan hatten und mich selbst zum Zeichnen brachten. Während meiner Schulzeit hatte ich Gelegenheit, nachmittags in dem damals renommierten Druck- und Verlagshaus Giradet hier in Essen bei aufwändigen Positiv- und Negativretuschen zu assistieren. Dabei habe ich vor allem den Umgang mit dem Airbrush gelernt. Relativ schnell kam die Malerei hinzu und ich machte Entwürfe für Kinderbücher. Während des Zivildiensts habe ich ein paar Ausstellungen hier im Ruhrgebiet mit meinen Malereien und Zeichnungen gehabt, die recht erfolgreich waren. Zu der Zeit habe ich auch einige Mal- und Zeichenkurse geleitet. Ich habe mich dann allerdings für ein Grafik-Design Studium hier in Essen an der Folkwang Uni entschieden und da vor allem meine zeichnerischen Fähigkeiten weiter entwickelt. Mein Traum war es, als Comiczeichner und Illustrator zu arbeiten und dem Ziel bin ich relativ schnell näher gekommen, nachdem ich einen internationalen Wettbewerb anlässlich des Comicsalons in Erlangen gewonnen habe und dadurch einen Vertrag für die deutsche Version des Magazins Heavy Metal / Metal Hurlant – in Deutsch: Schwermetall in der Tasche hatte und dort für etwa 2 Jahre veröffentlicht habe. An der Uni war damals so eine Art Disney-Fieber unter einigen von uns ausgebrochen. Das lag daran, dass einige ältere Semester inzwischen dort unter Vertrag genommen worden waren und einer meiner Dozenten maßgeblich an den Designs für einige späte Klassiker wie “Alladin” und “The Beauty And the Beast” verantwortlich war. Das war eine äußerst prägende Zeit, denn Dank dieses Dozenten hatte ich in seinem Studio „The Mad Tea Party“ in Düsseldorf die Gelegenheit, sehr tiefe Einblicke in die immense kreative Arbeit zu erhalten, die so einem abendfüllenden Zeichentrickfilm voransteht. Außerdem konnte ich dort die Entstehung der Comic- und Zeichentrickserie „Alfred Jodokus Quak“ nach Herman van Veen hautnah miterleben. Diesem Dozenten habe ich auch meinen ersten richtig lukrativen Job zu verdanken: Ich zeichnete Trickfilm-Animationen und Comics für die damalige ZDF -Show „Nase-Vorn“ von Frank Elstner, mit dem ich einige Jahre später auch noch ein Kinderbuch realisiert habe.

1991 habe ich mir dann einen Kindheitstraum erfüllt und bin nach Hamburg gezogen um dort weiter an meiner Karriere als Comiczeichner und Illustrator zu arbeiten. Ich habe mit verschiedenen Autoren einige Kinderbuch-Projekte realisiert, Illustrationen und Storyboards für Werbeagenturen gezeichnet und neben Zeichnungen für das Satire-Magazin „Kowalski“ an einem weiteren Comic-Album gearbeitet (übrigens komplett in Aquarell) , das allerdings wegen Streitigkeiten zwischen meinem Verleger und meinem Agenten niemals gedruckt worden ist.

Ich erhielt dann eines Tages eine Anfrage von einer Computerspiele-Firma aus Bochum, ob ich einige Illustrationen für sie machen könnte. Man war dort von meinen Entwürfen derart angetan, dass ich nach einem Treffen in Bochum mit einem Vertrag über die Konzeption und grafische Gestaltung eines Adventure-Games nach Hamburg zurück fuhr. Damals, Anfang der 1990er Jahre herrschte in der noch jungen Branche eine echte Goldgräber-Stimmung. Damals arbeiteten noch keine Hundertschaften an der Produktion eines Spiels und man ließ mir komplett freie Hand beim Konzept und Gestaltung.. Für einige Zeit wurde ich in der Fachpresse als das deutsche Grafikwunder gefeiert, weil ich meine Grafiken nicht wie alle anderen am Computer pixelte, sondern alles per Hand zunächst mit Buntstiften, Markern und Farbe auf Papier gestaltete und erst zum Schluss digitalisierte. Das war immens aufwändig aber auch ein Alleinstellungsmerkmal, dass mich in der Branche ziemlich bekannt machte. Auf Dauer ließ sich das allerdings nicht durchhalten und nach einigen Jahren gestaltete ich meine Spiele wie alle anderen komplett am Computer. Nach etwa 60 Computerspielen in knapp 20 Jahren und einem Tagesarbeitspensum von 14-16 Stunden war bei mir im Jahr 2011 endgültig und komplett die Luft raus. Ich hatte nebenbei auch noch an TV Spots gearbeitet und 2010 ein Buch über den Hamburger Star-Club realisiert und musste mir eingestehen, dass ich am Ende meiner Kräfte war und die Notbremse ziehen musste.

Ich habe dann alle Zelte in Hamburg abgebrochen und bin ins Ruhrgebiet zurückgekehrt, wo mich meine Familie und alte Freunde mit offenen Armen empfangen haben. Ich hatte zunächst den Plan, mich hier hauptsächlich mit einer alten Leidenschaft, der Stereoskopie (3D Fotografie) zu befassen und habe einige erfolgversprechende Projekte in der Richtung angeleiert, musste mir aber letztlich eingestehen, dass es den gleichen alten Arbeits- und Zeitaufwand bedeuten würde, daraus ein Geschäft zu machen. Ich habe mich erneut entschieden, einen Cut zu machen. Eigentlich dachte ich, ich würde nie wieder etwas kreatives machen. Doch dann habe ich 2014 meine Frau in der Nähe von Detroit besucht und wir begannen beide, weil wir wegen eines schweren Schneesturms für einige Tage ans Haus gefesselt waren, zu zeichnen. Die vielen leerstehenden Häuser dort hatten mich ohnehin schon inspiriert, meine Kamera wieder auszupacken und so wurden sie schnell auch zum immer wiederkehrenden Motiv meiner Zeichnungen.

Zurück in Deutschland habe ich mir erst mal einen ´normalen´Job gesucht und nebenbei ein bisschen gezeichnet. Schnell kam jedoch der Wunsch auf, auch ein bisschen Farbe ins Spiel zu bringen. So habe ich zuerst einige Versuche mit Acrylfarbe unternommen, musste allerdings feststellen, dass das nicht mein Medium ist. Ich hatte etwas Geld übrig und kaufte mir davon einen Schmincke Aquarellkasten. Die beste Entscheidung, die ich seit langem gemacht habe. 🙂

Das Aquarellieren ist heute ein leidenschaftliches Hobby. Nach mehr als 20-jähriger Pause fühle ich mich wie ein Anfänger, aber das ist ein schönes Gefühl, denn ich konnte nie so unbefangen an ein Bild herangehe, wie es mir heute gelingt. Ich habe keinen Zwang mehr, von meiner `Kunst` leben zu müssen – viel mehr hält sie mich am Leben.

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